Jagd in Österreich


DAS JAGDSYSTEM:

Grundlage des Jagdrechts in Österreich ist das Bundesverfassungsgesetz (B-VG 1920). Nach den Bestimmungen der österr. Verfassung ist Jagd "Landessache". Daher gibt es auch in jedem der 9 Bundesländer ein eigenes Landesjagdgesetz. Ein „Bundes-Rahmengesetz" für Jagdwesen gibt es in Österreich nicht. Österreichs Jagdwesen stützt sich sohin auf 9 Landesjagdgesetze und 9 dazugehörige Durchführungsverordnungen.

In Österreich gibt es ein Reviersystem, das andere Personen als die Inhaber des Jagdausübungsrechtes von jagdlichen Tätigkeiten oder Aneignungen im jeweiligen Jagdrevier (Jagdgebiet) ausschließt.

Jagdrecht ist in Österreich untrennbar mit dem Eigentum an Grund und Boden verbunden. Von diesem Grundsatz gibt es keine Ausnahmen. Das Jagdrecht enthält aber nicht zwingend das Recht zur Jagdausübung. Dieses Jagdausübungsrecht hat der Eigentümer von Grund und Boden nur dann, wenn er die sogenannte "Eigenjagdberechtigung" besitzt. Diese wird ihm in der Regel dann zugesprochen, wenn er einen zusammenhängenden Grundbesitz von mehr als 115 ha (in manchen Bundesländern mehr als 300 ha ) an Grundfläche aufweisen kann. Er kann dieses Eigenjagdgebiet selbst bejagen, wenn er eine Jagdkarte besitzt, sonst muß er dieses Jagdgebiet verpachten oder verwalten lassen. Grundstücke, die nicht zu Eigenjagden gehören, werden den sogenannten Genossenschaftsjagdgebieten zugerechnet. Jede Gemeinde Österreichs bildet aus allen „nicht zu Eigenjagden gehörigen Grundflächen" das jeweilige Genossenschaftsjagdgebiet dieser Gemeinde. Solche Genossenschaftsjagdgebiete müssen zwingend verpachtet werden in all diesen Fällen sind dann die Pächter die Jagdausübungsberechtigten. Die Grundeigentümer erhalten für ihr verpachtetes Jagdrecht Ersatz in Geld. Der Jagdausübungsberechtigte ist der Träger aller Berechtigungen und Verpflichtungen bezüglich der Jagd im jeweiligen Eigenjagdgebiet oder Genossenschaftsjagdgebiet (Jagdrevier).

Ein Jagdgebiet kann von einer Person gepachtet werden. Mehrere Personen können sich zu einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts zusammenschließen, die den Zweck hat, ein Jagdgebiet zu pachten (Jagdgesellschaft). Wer ein Jagdgebiet pachten will muß eine gültige Jahresjagdkarte besitzen und schon über einen Zeitraum von mindestens 3 Jahren eine Jagdkarte in Österreich besessen haben.

Die Hege hat zum Ziel: einen gesunden und artenreichen Wildstand zu erhalten, dabei aber gleichzeitig auf die Interessen der Land- und Forstwirtschaft Rücksicht zu nehmen. Die Jagdausübung und die Wildhege haben so zu erfolgen, daß die Erhaltung des Waldes und seiner Wirkungen nicht gefährdet wird. Die Hege ist sowohl Berechtigung als auch Verpflichtung.

Wildtiere (Wild) sind in Österreich sogenannte "ansprüchige Sachen" . Sie sind herrenlos und gelten als Zugehör zu den jeweiligen Grundflächen. Rechtmäßig Eigentum kann an ihnen jedoch nur der jeweils zuständige Jagdausübungsberechtigte erwerben (daher "ansprüchige Sachen"). Solange sie in freier Wildbahn leben, sind sie ein Teil der unbeweglichen Sache „Grundstück", sobald sie aber erlegt oder gefangen werden, sind sie als bewegliche Sachen und als Eigentum des Jagdausübungsberechtigten anzusehen. Aus diesem Grunde ist auch ersichtlich, daß ein Schaden, den ein Wildtier etwa an einem Kraftfahrzeug im Zuge eines Verkehrsunfalles anrichtet, nicht vom Jagdausübungsberechtigten zu tragen, da dieser ja im Zeitpunkt des Unfalls noch nicht Eigentümer des Wildstückes war. Das Wildstück ist wie gesagt herrenlos.

Wer die Jagd in Österreich ausüben will, muß eine Jagdkarte erwerben. Vor dem erstmaligen Erwerb ist die erfolgreiche Ablegung der Jungjägerprüfung notwendig. Da es in jedem Bundesland eine eigene Landesjagdkarte gibt, empfiehlt es sich, die Jagdprüfung in jenem Bundesland abzulegen, in welchem man die Jagd ausüben möchte. Die Jungjägerprüfung besteht aus einem theoretischen Teil und einem praktischen Teil (Schießprüfung mit Büchse und Flinte). Folgende Kenntnisse sind in allen Bundesländern nachzuweisen: die für die Ausübung der Jagd maßgebenden Rechtsvorschriften einschließlich der grundlegenden Bestimmungen des Natur-, Tier- und Umweltschutzrechtes sowie des Forstrechtes, die Handhabung, Wirkung und Behandlung der jagdlich gebräuchlichen Waffen und Munition sowie die hiebei zu beachtenden Vorsichtsmaßregeln, die Wildkunde, die Erkennungsmerkmale und die Lebensweise der heimischen Wildtiere, der Jagdbetrieb und die Wildhege sowie die Wechselwirkungen zwischen dem Wild und seiner Umwelt, die wichtigsten Jagdfachausdrücke und Jagdgebräuche, die Jagdhundehaltung und Jagdhundeführung, die Behandlung des erlegten Wildes und der Wildbrethygiene, die Grundlagen der Ökologie, Grundbegriffe der Land- und Forstwirtschaft sowie die Erste Hilfe bei jagdlichen Unfällen.

Mit dem Erwerb einer österreichischen Landesjagdkarte ist die Jagd auch in allen anderen Bundesländern mit Jagdgastkarten möglich (nur Tirol hat ausschließlich Jahresjagdkarten). Das Lösen von Jahresjagdkarten ist nach dem Besitz mehrerer Jahresjagdkarten eines Bundeslandes in allen anderen Bundesländern problemlos möglich, in Kärnten ist eine Zusatzprüfung über Jagdrecht abzulegen.

Jagdkarten in Österreich:

  • Jahresjagdkarte für 1 Jagdjahr (1. 1. bis 31.12. oder 1.4. bis 31.3. - variiert nach Bundesland)
  • Jagdgastkarte für 1 Tag (2 Tage, 7 Tage, 14 Tage, 4 Wochen, variiert nach Bundesland, in manchen Bundesländern für Inländer, in manchen auch für Ausländer)
  • Falkner-Berechtigung (nicht in allen Bundesländern)
  • Ausländerjagdkarte (nicht in allen Bundesländern)

Kosten der Jagdkarten in Österreich: die Kosten variieren pro Bundesland

  • Jahresjagdkarte von Euro 51.- bis Euro 153.-
  • Jagdgastkarte von Euro 6.- bis Euro 59.-
  • Ausländerjagdkarte von Euro 51.- bis Euro 182.-

Voraussetzung für die Jahresjagdkarte:

  • Erfolgreich abgelegte Jagdprüfung
  • Mindestalter 18 Jahre (mit besonderer Ermächtigung der Behörde und Erlaubnis der Eltern: 16 Jahre)
  • Strafregisterbescheinigung: "unbescholten"
  • Mitgliedschaft in einem österreichischen Landesjagdverband (eine Art "Zwangsmitgliedschaft" die den Vorteil hat, daß jedes Mitglied automatisch mit der gültigen Mitgliedschaft jagdhaftpflichtversichert ist (von Euro 750.000.- bis Euro 2 Mio pro Schadensfall sowohl Personen als auch Sachschäden). Alle Jagdkarteninhaber sind auch Jagdunfallversichert.

Erteilung von Jagdkarten an Ausländer:

Ausländer können in Österreich unter Vorlage eines gültigen Jagddokuments ihres Heimatstaates (maßgeblich ist dabei die Staatsbürgerschaft, nicht der derzeitige Wohnsitz) entweder eine Ausländerjagdkarte, eine Jagdgastkarte für Ausländer oder eine Jahresjagdkarte erwerben (variiert je nach Bundesland). Die Mitgliedschaft zum jeweiligen Landesjagdverband ist für den Ausländer ebenso zwingend wie für einen Österreicher. Ein Ausländer kann mit einem gültigen Jagddokument eines anderen Staates seine jagdliche Eignung nicht nachweisen. Ein Österreicher kann seine jagdliche Eignung nur durch die bestandene Jungjägerprüfung nachweisen (dies variiert in manchen Bundesländern).

Nach etwa 5 Jahren kann ein Jungjäger, falls er dies beabsichtigt, die Jagdaufseherprüfung ablegen. Nach erfolgreich bestandener Jagdaufseherprüfung (Jagdschutzprüfung) besteht die Möglichkeit, Jagdschutzorgan (Jagdaufseher) zu werden. Diese Personen werden für ein bestimmtes Jagdgebiet bestellt und von der Behörde bestätigt und beeidigt. Sie sind dann in diesem Jagdgebiet „Verwaltungspolizeiorgane" und haben die Einhaltung der jagdlichen Vorschriften zu überwachen. Sie agieren als verlängerter Arm der Behörde.

Alle Landesjagdgesetze bauen auf dem Grundsatz der Weidgerechtigkeit auf. Alle jagdlichen Handlungen müssen die allgemein anerkannten Grundsätze der Weidgerechtigkeit (eine Art „ethischer Kodex") und die Grundsätze einer geordneten Jagdwirtschaft beachten.

Waffen, Kaliber & Munition

Schrot: Eine Beschränkung der Kaliber ist nicht gegeben. Die gängigsten Kaliber sind 12, 16 und 20.

Für Bleifreies Schrot besteht derzeit noch keine Verpflichtung, wird jedoch für die Wasserwildjagd empfohlen.

Kugel: Für Schalenwild mindestens 5,5 mm Kaliberdurchmesser und 40 mm Patronen-Hülsenlänge, keine Randfeuerpatronen, Schrot, Posten oder gehacktes Blei.

Mindestauftreffenergie bei 100 m:

  • bis 30 kg (Wildkörper aufgebrochen) 1000 Joule
  • bis 80 kg Wildkörper 2000 Joule
  • über 80 kg Wildkörper 2500 Joule

Es ist verboten, die Jagd mit halbautomatischen Waffen, die mehr als zwei Patronen in das Magazin aufnehmen können, auszuüben. Nur "2+1-Halbautomaten" sind erlaubt. Es ist verboten, die Jagd mit automatischen Waffen auszuüben.

Jagdbehörden:

Jagdbehörden I. Instanz sind die Bezirksverwaltungsbehörden (Magistrate und Bezirkshauptmannschaften). Jagdbehörden II. Instanz sind die 9 Landesregierungen.

Alle Landesjagdgesetze und Durchführungsverordnungen legen für ihr Bundesland Schuß- und Schonzeiten für die einzelnen Wildarten fest. Wildtiere sind nur jene Tierarten, die in den Landesjagdgesetzen und in den Schuß- und Schonzeitverordnungen genannt werden. Manche Tierarten sind in einem Bundesland "Wild", in einem anderen Bundesland aus rein juristischen Gründen keine "Wildart" - etwa der Goldschakal, die Biberratte, der Elch ... Einzelne Bezirksverwaltungsbehörden können auch für Bezirke Schuß- und Schonzeiten nach regionalen Gegebenheiten und Bedürfnissen abändern (verlängern oder verkürzen).

Gewisse Tierarten unterliegen in Österreich der Abschußplanung. Nur über behördliche Bewilligung oder Verfügung ist es zulässig, einen Abschuß solcher Wildtiere vorzunehmen. Im Rahmen der Abschußplanung sind die bewilligten oder verfügten Abschüsse auch tatsächlich durchzuführen. Abschußplanung gibt es bei allen Schalenwildarten (ausgenommen Schwarzwild) und bei den Rauhfußhühnern. In manchen Bundesländern ist auch das Murmeltier abschußplanpflichtig.

Für jedes Jagdgebiet ist vom Jagdausübungsberechtigten oder von seinem Jagdschutzorgan (Jagdaufseher) eine Abschußliste zu führen (wie ein "jagdliches Kassabuch"). Einmal jährlich ist diese Abschußliste der Behörde zur Überprüfung der durchgeführten Abschüsse vorzulegen. Auch im Rahmen einer einmal jährlich stattfindenden Hegeschau (Trophäenschau) werden die durchgeführten Abschüsse überprüft. Alle Trophäenträger (Geweih- und Hornträger) sind von den Erlegern vorzulegen. Die Abschüsse werden nach Geschlecht und Altersklassen bewertet und mit den Abschußplänen verglichen.

Ein wichtiger Bereich des österreichischen Jagdwesens ist der Jagdschutz. Jedes Revier (Jagdgebiet) hat mindestens ein Jagdschutzorgan (einen Jagdaufseher). Jagdschutz heißt, Gefahren und Nöte vom Wild abzuwenden. Dazu gehört heute die Fütterung in Notzeiten und ein Zeiten des Vegetationsbeginns, die Bejagung von Raubwild oder von Tieren, die dem Wild schädlich sein können ("Raubzeug" wie wildernde Hunde, streunende Katzen, Aaskrähen, Elster, Eichelhäher). Ebenso ist die Bekämpfung der Wilderei unter "Jagdschutz" zu subsumieren. Als positive Handlungen des Jagdschutzes sind alle Hegemaßnahmen und Handlungen der Wildbetreuung anzusehen.

Die Jagd in Österreich berührende rechtliche Bestimmungen:

  • 9 Landesjagdgesetze der Bundesländer Burgenland, Kärnten Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark, Tirol, Vorarlberg und Wien samt dazugehörigen Durchführungsverordnungen;
  • 9 Landesnaturschutzgesetze der Bundesländer samt Verordnungen über geschützte Tiere und Pflanzen;
  • Bundestierschutzgesetz
  • Landes-Umweltschutzgesetze, Feldschutzgesetze; Höhlenschutzgesetze, Tourismusgesetze;
  • 1 Bundes-Forstgesetz 1975;
  • 1 Bundes-Waffengesetz 1996;
  • 1 Fleischuntersuchungsgesetz 1982;
  • 1 Bundes-Tierseuchengesetz 1909;
  • verschiedene Bundes-Fleischhygieneverordnungen und eine Wildfleisch-Verordnung 1994.